Die Skatspieler

Betrachtet von Claus Bacher

40 Jahre – 40 Kunstwerke: Folge 21

Das collagenartig zusammengesetzte Gemälde Die Skatspieler von Otto Dix aus dem Jahre 1920 zählt zu den Hauptwerken des Dresdener Dadaismus und frühen Verismus und bildet eine Dominante innerhalb der Kunst der Zwischenkriegszeit in der Sammlung der Nationalgalerie.

In einem Hinterzimmer eines Dresdner Kaffeehauses hatte Dix die kartenspielenden Krüppel gesehen. Die Skatspieler inszenierte Otto Dix als ein zur Groteske gesteigertes Kammerspiel mit drei Invaliden in einem nächtlichen Kaffeehaus. Eine konspirative Versammlung von fragmentierten Außenseitern der Nachkriegsgesellschaft, in die Misere von Kapp-Putsch, Inflation und sozialer Not verstrickt. Dix setzte die dadaistische Groteske aus Ölmalerei und Collage (Spielkarten, Zeitungen, Aluminiumfolie, Textilimitation aus Papier) in provokanter Mixtur ein, um die Absurdität der Nachkriegsmisere mit dem sozial ausgegrenzten Materialhalbmenschen „Krüppel“ schockartig wie im Panoptikum bloßzustellen. Der verbissene Überlebenswille der Skatspieler überdauert in diesem grotesken „Trotz alledem!“ die Misere der scheußlichen Zeitumstände: „Für mich ist Kunst Bannung“ (Otto Dix) – die Bannung des Hässlichen, Paradoxen und Schrecklichen am Abgrund der Zeit.

Claus Bacher, Mitgründer der Freunde der Nationalgalerie, langjähriges Kuratoriums- und Vorstandsmitglied sowie seit 2017 Ehrenmitglied, spricht in diesem Film nicht nur über die außergewöhnliche Spendenaktion zur Erwebung des Bildes, sondern sinniert auch über die zutiefst humanistische und damit zeitlose Aussage der Skatspieler.

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Vor 4 years gepostet

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