Ecce Homo

Betrachtet von Ulrike Hörrmann-Lecher

40 Jahre – 40 Kunstwerke: Folge 24

Das Gemälde Ecce homo / Der Verstümmelte von Josef Scharl zeigt das Porträt eines Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg, dessen rechte Gesichtshälfte durch eine Kriegsverletzung entstellt ist. Aus dem Dunkel des Bildgrundes leuchtet über der olivfarbenen Uniformjacke und dem grünen Halstuch oder Pullover der Kopf dramatisch beleuchtet hervor, wobei die unversehrte Gesichtshälfte in hellem Gelb dargestellt ist, während das Ohr und die verstümmelte Partie mit der hinzu gemischten roten Farbe zu einer fleischigen Masse modelliert sind. Die Farbskala von Grün über Gelb zu Rot erscheint als Reflex auf der Brust des ehemaligen Soldaten in einer Reihe von Ehrennadeln. Zwar ist das Bild von eher kleinem Format, aber durch Konzentration, Farbgebung und Malweise ungeheuer eindrucksvoll.

In Scharls Darstellung thematisieren die beiden Gesichtshälften das Sehen und Nicht-Sehen. Den Krieg sehen und durch den Krieg erblinden, sehenden Auges auf den nächsten Krieg zusteuern oder aus dem Kriegserlebnis lernen, diese Optionen stehen dem Menschen offen, der sich einerseits – „Ecce homo“ – in die Situation gestellt sieht, andererseits aber auch immer aufgerufen ist, selbst zu entscheiden.

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Vor 4 years gepostet

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